Einzigartiges Projekt fürs Quartier West

Einzigartiges Projekt fürs Quartier West

Mit neuen Fördergeldern kümmert sich die Stadt um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Von Carsten Rose

Eschweiler Die Sozialstruktur im Quartier West erfordert es, dass Ehrenamtler als Sprachvermittler den Bewohnern und der Stadt bei ihren Anliegen unter die Arme greifen. Bei Behördendeutsch ist das nicht immer einfach, und jetzt werden die freiwilligen Dolmetscher in einem weiteren Spezialgebiet geschult: der Gesundheit. Das wird nötig, weil das Land NRW und der Europäische Sozialfonds der Stadt Eschweiler ein Förderprojekt bewilligt haben, das Sozialamtsleiter Jürgen Rombach als „außergewöhnlich“ und „einzigartig“ bezeichnet. Denn seit dem 1. April bis Ende 2020 bekommt die Stadt rund 160.000 Euro dafür, dass sich das Quartiersmanagement in Zusammenarbeit mit der Awo und dem Gesundheitsamt der Städteregion um die Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen in dem Quartier kümmert.

180 Haushalte kommen infrage

Es ist das nächste Förderprojekt für Eschweiler-West, das vorherige war auf die Integration von Flüchtlingen ausgelegt. In dem Sozialraum leben etwa 5000 Menschen, der Ausländeranteil liegt mit rund 14 Prozent über dem städtischen Durchschnitt. Jetzt geht es um die Gesundheit, und dass es in dem Bereich Handlungsbedarf gibt, lässt eine Statistik des Gesundheitsamtes erahnen. Eine Untersuchung im Quartier West hat ergeben, dass etwa ein Viertel der Dreijährigen schlechte Zähne hat; 75 Prozent haben also gute Zähne. Die Quote der zahngesunden Dreijährigen in ganz Eschweiler liegt laut Statistik bei 89 Prozent (Städteregion 86). Bei den Sechsjährigen ist die Quote schlechter: Nur knapp die Hälfte hat gute Zähne; für ganz Eschweiler liegt der Anteil bei 65 Prozent (Städteregion 62,5). Warum die Statistik für das Quartier West so ausfällt, erklären Quartiersmanager Raphael Kamp und Sozialamtsleiter und Integrationsbeauftragter Jürgen Rombach damit, dass viele Kinder von Geflüchteten die Vorsorge, wie sie Kinder hierzulande bis zum Kita-Eintritt und später zur Einschulung erfahren, nicht erhalten hätten. „Gesundheitliche Probleme und Sprachbarrieren haben – einzeln, aber kombiniert noch schlimmer – Einfluss auf den Erfolg in der Schule“, sagt Raphael Kamp.

Der Quartiersmanager schätzt, dass etwa 180 Haushalte in dem Stadtteil für das Projekt infrage kommen, was bis zu 700 Personen ausmache. Die Vorbereitungen laufen derzeit, um in drei bis vier Wochen mit den regelmäßigen Hausbesuchen und Elterngesprächen zu starten. Die Zahngesundheit ist dabei nur ein Aspekt von mehreren: Ernährungsberatung, Umgang mit Alkohol/Drogen und Sexualberatung gehören zu den mitunter hochsensiblen Themen.

„Bis 2020 werden wir noch nicht viel feststellen, sondern erst in zehn, 15 Jahren.“
Raphael Kamp, Quartiersmanager, über das Ziel des Förderprojektes

Gesundheitliche Erfolge zeigen sich wie eine gelungene Integration erst in Jahren, darum setzen sich Kamp und Jürgen Rombach keine konkreten Ziele bis Ende 2020. „Bis dahin werden wir noch nicht viel feststellen können, sondern erst in zehn, 15 Jahren“, betont Quartiersmanager Kamp. Als Vergleich nennt er das Vorgängerprojekt zur Integration, das Ende 2018 ausgelaufen ist: „Heute kann ich mit viel mehr Menschen auf Deutsch kommunizieren als noch vor zwei Jahren. Die Sprache ist nicht mehr das größte Problem.“

Ohnehin zählt für Sozialamtsleiter Rombach der Grundsatz: Es sei auch ein Erfolg, wenn das neue Angebot zunächst nur relativ wenigen Familien hilft. Und die Bekanntheit und Akzeptanz, die Raphael Kamp mit seiner Arbeit erfahre, würden belegen, dass die Stadt mit ihren Maßnahmen auf einem guten Weg sei. Rombach denkt auch schon einen Schritt weiter, denn das Projekt ist bekanntlich befristet, weswegen er betont: „Nur auf Förderprojekte zu hoffen, ist gefährlich, weil es kann sein, dass irgendwann kein Geld mehr fließt. Deswegen müssen wir strategisch schauen, wie die Arbeit in die reguläre Struktur der Verwaltung eingebunden werden könnte.“

Eschweiler Zeitung, 03.05.2019