Weiß, braun oder einfach kunterbunt

Weiß, braun oder einfach kunterbunt

Der „Welttag gegen Rassismus“ führte viele verschiedene Menschen am Infostand der Arbeiterwohlfahrt auf dem Markt zusammen

Von Christoph Hahn

Eschweiler Aus wie vielen Ländern die Menschen am Infostand auf dem Marktplatz in Eschweiler kommen, weiß Bouchra Baboua nicht so genau. Aber selbst kommt die Mitarbeiterin der Awo-Flüchtlingsberatung in der Gutenbergstraße aus Marokko, ihre Kollegin Zuleya Lala aus der Türkei, derweil Aranka Gohmann von der Kisa (Trägerin von Kindertagesstätten der Arbeiterwohlfahrt) in der ungarischen Hauptstadt Budapest geboren wurde.

Bunt wie ihre Zusammensetzung nun mal ist, werben die Fachkräfte im Schatten der Kirche St. Peter und Paul um das Interesse der Passanten. Denn am Donnerstag steht der „Welttag gegen Rassismus“ auf dem Kalender. Den begehen die Angestellten des Wohlfahrtsverbandes, die in der Tradition der Sozialdemokratie steht, schon aufgrund des politischen Hintergrundes. Doch wer sie nur einen Augenblick beobachtet, gewinnt den Eindruck, dass ihr öffentliches Engagement hauptsächlich für sie eine Herzensangelegenheit ist.

Im Herzen der Indestadt

Ihr Herz lassen aber nicht nur die Erwachsenen sprechen, sondern auch die Kinder. Zusammen mit ihren Erzieherinnen sind Kinder aus der Kita „Zauberhut“ aus der Franz-Rüth-Straße zum Markt gekommen, Mädchen und Jungen, denen der Beobachter ansieht, dass ihre Eltern zum Teil auch aus ganz fernen Ländern kommen. Flugs bilden die Kleinen einen Kreis, ziehen ein Tuch stramm – und schon lassen sie einen Ballon auf und nieder tanzen. Das Miteinander, das unter Erwachsenen oft Probleme bereitet und für Reibereien sorgt: Unter freiem Himmel im Herzen der Indestadt funktioniert das im Spiel ganz unkompliziert.

Die meisten der Aktionen, mit denen das Team der Awo das Interesse der Passanten auf ihr Tun und ihre Informationsangebote zu ziehen versucht, sind ähnlich unaufdringlich und werben gerade deshalb für die Anliegen der Standbetreiber. Neben den Gesprächen, zu denen sich unter anderem CDU-Ratsfrau Renée Grafen und Bürgermeister Rudi Bertram (SPD) einfinden, gibt es einen bunten Strauß an Informationsangeboten – zum Beispiel einen niedrigschwelligen Zugang zur Flüchtlingsberatung, aber auch viele, viele Flyer und andere Schriften. Aufgeregte, anklagende Aktionen: Die sind eh nicht die Sache der Awo und ihrer Beschäftigten.

Das alles verbinden die Mitarbeiter mit einer ganz klaren Philosophie. Aranka Gohmann, die mit sechs Jahren aus Ungarn nach Eschweiler gekommen ist, „die Grundhaltung unserer Einrichtungen unters Volk zu bringen“. Bachra Baboua und ihren Kolleginnen wollen „Richtung Austausch und gegen Vorurteile wirken“. Laute Worte und Gesten fehlen an diesem Vormittag so gut wie vollständig. Stattdessen trägt eine Mitstreiterin ein Tablett zu den Menschen, die sich am Stand einfinden, ein Tablett mit Keksen.

Die sind weiß, braun oder einfach kunterbunt – so wie das kulturelle Ideal, für das die Beschäftigten der Awo mit ihrer Aktion zum „Welttag gegen Rassismus“ auf dem Markt einstehen.

Info

„Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer“

Bouchra Baboua und ihre Kollegin Züleyha Lale von der „Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer“ der Arbeiterwohlfahrt bieten montags und mittwochs zwischen 9 und 12 Uhr in Eschweiler, Gutenbergstraße 52, eine offene Sprechstunde an. Weitere Termin können mit ihnen unter der Rufnummer (02403) 720-2117 oder den E-Mail-Adressen b.baboua@awo-aachen-land.de, z.lale@awo-aachen-land.de und migrationsberatung@awo-aachen-land.de vereinbart werden.

Eschweiler Zeitung, 22.03.2019