Udo Zimmer leitet die Arbeiterwohlfahrt

28.10.2019

Udo Zimmer leitet die Arbeiterwohlfahrt

Der bisherige Kreisvorsitzende Hans-Peter Göbbels kandidierte nicht mehr. 3100 Mitglieder in 17 Ortsvereinen.

Von Jutta Geese
Städteregion

Die Arbeiterwohlfahrt Aachen-Land hat einen neuen Vorsitzenden: Am Samstag wurde Udo Zimmer vom Ortsverein Würselen-Bardenberg bei der Kreiskonferenz in Herzogenrath-Merkstein in dieses Amt gewählt. Der 63-Jährige ist hauptberuflich als Beamter im Sozialamt Stolberg tätig und gehört dem Kreisvorstand bereits seit 16 Jahren an, die letzten zwölf Jahre war er einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden.

Der bisherige Kreisvorsitzende Hans-Peter Göbbels kandidierte auf eigenen Wunsch nicht mehr für den Vorstand. Er gehörte 33 Jahre lang dem Kreisvorstand an, davon zehn Jahre als Vorsitzender. Am Samstag wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Kreisverbandes ernannt. Zudem zeichnete ihn Beate Ruland, AWO-Bezirksvorsitzende Mittelrhein, mit der Verdienstmedaille der Arbeiterwohlfahrt aus.

Schwierige Lage

Rund 3100 Mitglieder in 17 Ortsvereinen zählt die Arbeiterwohlfahrt in den neun Kommunen des früheren Kreises Aachen. Aber, so der scheidende Kreisvorsitzende Hans-Peter Göbbels, es werde in vielen Ortsvereinen immer schwieriger, Menschen für die Vorstandsarbeit zu gewinnen, „und wieder sehen einige Ortsvereinsvorstände keine andere Möglichkeit, als eine Auflösung des Ortsvereins zu veranlassen“. So habe sich der Ortsverein Bank bereits aufgelöst, der Ortsverein Roetgen werde Ende des Jahres aufhören und bei einem weiteren Ortsverein werde über einen solchen Schritt diskutiert. Der Bezirksverband Mittelrhein habe sich seit längerem dieses Themas angenommen, um gemeinsam mit den Kreisverbänden eine Lösung zu finden. Doch das werde nicht ganz einfach sein, sagte Göbbels am Samstag. „Nur gemeinsam können wir unserem Verband eine Zukunft als Mitgliederverband ermöglichen“, warb Göbbels um mehr Zusammenhalt statt Misstrauen gegenüber anderen Ortsvereinen und Verbandsebenen wie dem Kreisverband.

Die Arbeiterwohlfahrt sei auch heute noch, 100 Jahre nach ihrer Gründung, mit ihren vielfältigen sozialen Aktivitäten unverzichtbar. Mit dem Motto der Kreiskonferenz „AWO – 100 Jahre sozial, tolerant und weltoffen“ habe der Kreisverband deutlich machen wollen, wofür die Arbeiterwohlfahrt immer noch stehe. Parteipolitisch und konfessionell unabhängig, aber seit der Gründung durch die sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Marie Juchacz der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie nahestehend, engagiere sich die AWO in vielen gesellschaftlichen Bereichen, mit ehrenamtlich Aktiven und hauptamtlich Beschäftigten.

Im Kreisverband Aachen-Land ist dies vor allem die Kinderbetreuung in mittlerweile elf Kindertageseinrichtungen in Herzogenrath, Alsdorf, Eschweiler, Würselen, Roetgen und Stolberg. Rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen hier rund 900 Kinder im Alter zwischen vier Monaten und sechs Jahren. Der zweitgrößte Fachbereich innerhalb des Kreisverbandes sei die Pflege, berichtete Kreisgeschäftsführerin Silke Arens. Mit rund 70 Beschäftigten würden rund 300 Pflegebedürftige ambulant und in zwei Tagespflegeeinrichtungen betreut.

Zu den weiteren Aufgaben, die vor allem mit hauptamtlichen Beschäftigten geleistet werden, gehören laut Silke Arens unter anderem die Schwangerenberatung in Eschweiler, die sozialpädagogische Familienhilfe in Herzogenrath, das Möbellager und die Kleiderkammer in Eschweiler sowie in Kooperation mit der Abfallwirtschaft Aachen der „Ömmesönz-Laden“ in Eschweiler und die Flüchtlingshilfe sowie die Migrationsberatung.

Rund 13,6 Millionen Euro habe der Umsatz im Jahr 2018 betragen. Dickster Ausgabeposten seien die Personalausgaben mit inzwischen 10,7 Millionen Euro, erläuterte die Geschäftsführerin.

Im Jahr 2014 habe man für Personal nur 7,9 Millionen Euro ausgegeben. Die Steigerung sei vor allem auf die Einstellung von mehr Personal, insbesondere aufgrund des Ausbaus der Kitas zurückzuführen. Mittlerweile beschäftige der Kreisverband insgesamt rund 400 Menschen, rund 100 mehr als im Jahr 2014.

Die Personalkosten werden laut Silke Arens noch weiter steigen, weil der Tarifabschluss mit der Gewerkschaft Verdi für sämtliche Beschäftigten der Arbeiterwohlfahrt in Nordrhein-Westfalen ab 2019 deutliche Lohnerhöhungen vorsieht.