Das Lager ist jetzt noch voller als sonst

Eschweiler Zeitung 10.07.2020

Das Lager ist jetzt noch voller als sonst

Im Ömmesönz-Laden wird auf Nachhaltigkeit gesetzt. Die Mitarbeiter nehmen langsam wieder den Betrieb auf.

           

Von Anke Capellmann

Eschweiler Was nicht mehr gebraucht wird, kommt in die Tonne? Nicht im Ömmesönz-Laden am Langwahn. Denn dort kann jeder seine gebrauchten, gut erhaltenen Dinge umsonst – also ömmesönz – abgeben. Und jeder Besucher darf sich dort genauso umsonst etwas aussuchen und mitnehmen. So haben gebrauchte Gegenstände die Chance auf ein zweites Leben.

Die Corona-Pandemie hat auch den Ömmesönz-Laden hart getroffen. Normalerweise gibt es im Durchschnitt monatlich 100 Menschen, die ihre gebrauchten Sachen in dem Second-Hand-Laden abgeben. 600 Leute sind es monatlich, die von den Dingen vor Ort etwas gebrauchen können und sich dann etwas aussuchen und mitnehmen. Doch auch der Ömmesönz-Laden hatte seine Türen seit dem Lockdown Mitte März geschlossen. Erst seit einer Woche hat das Geschäft am Langwahn wieder geöffnet. „Allerdings vorerst nur für die Warenannahme“, sagt Regina Brück vom Entsorgungsunternehmen AWA. Die Ausgabe werde erst wieder ab dem 12. August stattfinden.

„Wir wollen einfach den Leuten jetzt schon wieder die Möglichkeit geben, ihre aussortierten Sachen abgeben zu können, bevor sie nachher doch im Müll landen“, sagt Brück. Schließlich hätten zahlreiche Menschen die Zeit rund um Corona dazu genutzt, zu Hause mal wieder ordentlich aufzuräumen. Das zeigte sich auch vergangene Woche, als der Ömmesönz-Laden wieder das erste Mal nach dem Lockdown für die Warenannahme geöffnet hatte. „An beiden Tagen kamen jeweils etwa 20 Leute, die ihre vollen Kisten abgegeben haben“, sagt Brück. Das sei mehr als der Durchschnitt. Betreten dürfen die Besucher den Laden im Moment allerdings nicht. Die Kisten und Gegenstände werden dann am Eingang mit genügend Sicherheitsabstand und mit Mund-Nase-Schutz von den Mitarbeitern entgegengenommen.

Fünf ehrenamtliche Mitarbeiter

An den Start gegangen ist der Ömmesönz-Laden als Gemeinschaftsinitiative des AWO Kreisverbandes Aachen-Land und des Entsorungsunternehmens AWA bereits im September 2016. Seitdem läuft der Laden wirklich gut, sagt Regina Brück. Fünf ehrenamtliche Mitarbeiter der AWO sind seit den Anfängen bis heute dabei. Wenn kein Corona ist, nehmen sie zwei Mal in der Woche Gegenstände an und betreuen auch deren Ausgabe. Regina Brück hatte damals Angst, dass nicht genügend Gegenstände zusammenkommen würden, um den Bürgern nachher auch etwas anbieten zu können. „Diese Angst war aber vollkommen unbegründet“, sagt sie. Sowohl der Vorraum als auch das Lager und der Keller seien stets gut gefüllt. Jetzt nach dem Corona-Lockdown seien die Räumlichkeiten innerhalb einer Woche sogar noch gefüllter als sonst.

Abgegeben werden können vor allem Dekoartikel, Haushaltsutensilien, Spielzeug, Kleinelektrogeräte und Heimtextilien. Nicht angenommen werden hingegen Bücher, Möbel, Kleidungsstücke, Kuscheltiere und kaputte Sachen. „Die meisten Leute bringen wirklich nur gut erhaltene Sachen vorbei“, sagt Brück. Trotzdem gebe es aber leider auch immer wieder schwarze Schafe, die den Ömmesönz-Laden als Alternative zu Restmüll und Wertstoffhof sehen. „Wir sind aber keine Sammelstelle für Abfall“, sagt Brück klar und deutlich.

Eine große Hilfe

Eine der Mitarbeiterinnen ist Maysoun  Hamad. „Ich arbeite sehr gerne hier, auch weil ich gerne Kontakt zu Menschen habe“, sagt sie. Dass Hamad fließend arabisch spricht, ist oft eine große Hilfe, wenn Menschen zum Ömmesönz-Läden kommen, die noch nicht so gut Deutsch sprechen. Sie ist dann Vermittlerin zwischen Besuchern und Mitarbeitern.

Dieser Tage hilft auch Nicoll Parthey von der AWA im Laden aus. In den Händen hält sie eine große Kiste mit Ordnern, Schnellheftern und Klarsichtfolien. „Viele Leute haben alte Schulsachen abgegeben. Das ist natürlich auch für bedürftige Menschen toll, wenn sie das ein oder andere Heft schon mal nicht bezahlen müssen, sondern hier welche umsonst bekommen“, sagt sie.

Bei den Spendern gibt es immer wieder „Wiederholungstäter“, die regelmäßig Dinge vorbeibringen. Einer von ihnen ist auch Dorit Klaucke aus Eschweiler, die jetzt ein paar Teller und ein elektrisches Küchengerät vorbeigebracht hat. „Es gibt einfach Sachen, die sind zu schade zum Wegwerfen. Ich finde, der Laden hier ist eine sehr gute Sache. Es gibt immer jemanden, der sich über Dinge freut, die man selbst nicht mehr braucht“, sagt sie.

Auch ein anderer Eschweiler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, bringt regelmäßig Dekoartikel und Co. vorbei. „Die Kisten standen jetzt seit Februar bei uns im Keller“, sagt er. Dann kam Corona. „Ich bin froh, dass es hier jetzt wieder losgeht. Die Sachen wegzuwerfen, das wäre einfach zu schade“, sagt er.

Zum Ömmesönz-Laden darf übrigens jeder kommen. Die Idee dahinter ist das Vermeiden von Abfall. Damit steht auch der Nachhaltigkeitsgedanke und das Überdenken des eigenen Konsums im Vordergrund. „Und ganz nebenbei sind wir irgendwie auch zu einem Ort des Zusammenkommens geworden“, sagt Regina Brück. „Im Moment ist das Zusammenkommen und das Quatschen natürlich leider nicht möglich. Aber wenn wir Corona einmal alle hinter uns haben, dann werden die Besucher auch das wieder bei uns machen können.“

Info

Annahme und Ausgabe von Gegenständen

Der Ömmesönz-Laden, Langwahn 86, nimmt im Moment nur Sachspenden im Eingangsbereich an. Geöffnet hat der Laden jeden Mittwoch von 9 bis 12 Uhr und jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr. Eine Ausgabe der gebrauchten Gegenstände ist voraussichtlich erst wieder ab dem 12. August möglich.

Das Team freut sich immer über neue, ehrenamtliche Helfer. Interessierte können sich bei Regina Brück von der AWA Entsorgung melden, Tel. 02403/8766351, E-Mail: regina.brueck@awa-gmbh.de.