Seit 30 Jahren prima Adresse für Tausende Kunden

Das Möbellager der Arbeiterwohlfahrt an der Talstraße wird 30 Jahre alt und zählt heute bis zu 1600 Kunden im Monat

Eschweiler. Die Nachfrage der Kunden reißt nicht ab, und im Laufe von 30 Jahren ist es längst zu einer Institution in Eschweiler geworden – die trotzdem keine große Aufmerksamkeit bekommt: Das Möbellager der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Talstraße ist für bis zu 1600 Kunden im Monat Anlaufstelle. Second-Hand-Klamotten in der Kleiderkammer und gebrauchte Möbel sowie Haushaltsgegenstände auf 400 Quadratmetern ermöglichen einkommensschwachen Familien, sich hier einzudecken, besonders im Bereich der Kinderkleidung und -einrichtung ist die Nachfrage ungebrochen groß.

Während man sich in einem normalen Geschäft über soviel Zuspruch freuen würde, macht sich Hans-Peter Goebbels, Kreisvorsitzender der Awo, Sorgen, „weil es immer mehr gibt, die darauf angewiesen sind.“

Besonders Alleinerziehende und Geflüchtete nutzen das Angebot, um sich im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten eine Wohnung einzurichten und sich mit Kleidung auszustatten, ergänzte Silke Arens, Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbandes Aachen-Land, auf der Jubiläumsfeier des Möbellagers. „Wir sind weiterhin auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen“, machte sie klar. Trotz rund 30 Angeboten pro Tag und der Zusammenarbeit mit der AWA Entsorgung GmbH, mit der man zudem auch jede Menge Müll durch Recycling vermeiden kann. Unter ☏ 02403/87890 kann jeder Bürger sich melden, der etwas spenden will. Allerdings könne nicht jedes Möbelstück gebraucht werden – gerade schwere Möbel oder Sofalandschaften sind oft zu groß für die Wohnungen der Kunden der Awo.

Der Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre zeigte, dass diese Einrichtung für die Städteregion eine wichtige Rolle spielt, dafür seien nicht nur die hohen Kundenzahlen ausschlaggebend. Viele Mitarbeiter wurden über das Jobcenter vermittelt, hätten es sonst schwer eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt zu finden. Im Awo-Möbellager können sie gemäß ihrer Fähigkeiten eingesetzt werden, helfen beim Transport oder können Möbel kreativ neu gestalten. Somit könne man auch einen integrativen Beitrag leisten in den Räumen an der Talstraße, die man 2006 bezog.

Wichtige Anlaufstelle

20 Jahre zuvor wurde die Kleiderkammer in der Marienstraße eröffnet, das Möbellager folgte 1988 in den Kellerräumen des Schwimmbads Jahnstraße, wo kurz darauf auch die Kleiderkammer ihre Heimat fand. Goebbels erinnerte nicht nur an die Geschichte des sozialen Angebots, sondern bedankte sich ebenso bei den vielen Kooperationspartnern – die AWA, die Stadt Eschweiler, das Jobcenter und die vielen privaten Spender machen dieses Angebot erst möglich, das für viele Menschen so wichtig ist, obwohl sie nicht gerne darüber reden. „In unserem reichen Land gibt es immer noch Armut, das ist oft ein Tabu-Thema“, gab Goebbels zu bedenken.

Ungern will man zugeben, dass man auf das Möbellager oder die Kleiderkammer zurückgreifen muss und doch fällt das Dankeschön der Kunden umso herzlicher aus für diese Möglichkeit, daran ändert auch die manchmal vorhandene Sprachbarriere nichts. Zum Jubiläum zeigten derweil die Mitarbeiter allen Gästen, wie sie an den Möbeln arbeiten, und der Blick ins Lager offenbarte das reichhaltige Angebot. Etwas abseits steht schon der nächste Kunde, der das Geschehen in der engen Einfahrt beäugt, mit seinem Sohn – er ist nicht der Einzige an diesem Tag. Ob trotz Feierlichkeiten regulär geöffnet sei? Selbstverständlich. Er zögert kurz und entscheidet sich wohl dafür doch an einem anderen Tag wiederzukommen. Dann gibt es wieder mehr Ruhe zum Stöbern, vielleicht findet sich ja auch ein Spielzeug für sein Kind. Alleine das kurze Treffen zeigt, wie wichtig die Anlaufstelle für Menschen in Eschweiler und der Städteregion weiterhin ist – und dass si e mit soviel ehrenamtlichen Engagement für die Mitmenschen mehr Aufmerksamkeit verdient. (cheb)

Aachener Zeitung, 28.08.2018