Fest der Begegnung – mit Leckerfaktor

 Eschweiler Zeitung 01.07.17


In der Gutenbergstraße feiern Muslime und Christen, Flüchtlinge und Deutsche gemeinsam das Zuckerfest zum Ende des Ramadan

Von Rudolf Müller

Eschweiler. Neben dem Opferfest zählt es zu den höchsten Festen im muslimischen Jahreskalender: das Zuckerfest am Ende des Fastenmonats Ramadan. Der ist zwar schon seit einigen Tagen Vergangenheit – aber feiern kann man immer. Auch, weil‘s anders nicht ging, mit ein paar Tagen Verspätung. Gestern war es soweit: Der Rasen vor dem Quartiersbüro in der Gutenbergstraße 52 verwandelte sich in ein buntes, lebhaftes Gartenlokal. Und Muslime aus Marokko, Syrien, dem Irak und Iran, aus Afghanistan, Albanien und Somalia feierten in bester Laune – gemeinsam mit vielen deutschen Freunden.

Eine Premiere. Im vergangenen Jahr hatte man das Fest im kleinen Kreis begangen, weil das Quartiersbüro und die benachbarte Migrationsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt sich noch im Aufbau befanden. Diesmal konnte Migrationsberaterin Bouchra Baboua, die das Fest mit ihrem Team auf die Beine gestellt hatte, neben Bürgermeister Rudi Bertram, Sozialdezernent Stefan Kaever und dem Awo-Kreisverbandsvorsitzenden Hans-Peter Göbbels auch etliche Kommunalpolitiker, Mitarbeiter der Stadt, des Jobcenters und der Polizei sowie ehrenamtliche Helfer begrüßen.

„Sind eine Gemeinschaft“

Das Zuckerfest, so betonte sie, sei ein Fest der Versöhnung. Freundschaften werden gefestigt, neue geschlossen. „Wir möchten mit diesem Fest Ängste und Vorurteile abbauen, einen Beitrag zu einer bunten Gesellschaft leisten, Verständnis füreinander schaffen und ein friedvolles Miteinander aufbauen“, betont Baboua. Dass sie und ihr Team diesem Anspruch gerecht werden, das unterstrich Bürgermeister Rudi Bertram in seinen Grußworten: „Wenn ich das hier sehe, weiß ich, wofür ich jeden Tag mit meinen Kollegen mehr als acht Stunden arbeite. Und wir in Eschweiler können mit Fug und Recht sagen, dass wir das schon seit Jahrzehnten tun: Neubürgern das Gefühl geben, dass sie wirklich Eschweiler sind. Wir hier in Eschweiler sind eine Gemeinschaft – und da gehören alle Religionsgemeinschaften zu.“

Begonnen hatte das fröhliche Miteinander mit Musik: Wakit Saidi und Zahia Mohammad, beide aus Syrien, sangen traditionelle Lieder zur Tambur, der orientalischen Langhalslaute – in kurdischer Sprache. Lieder, die die Kinder zum Tanzen und die Erwachsenen zum begeisterten Applaudieren brachten.

Büffet vom Feinsten

„Ein Leben ohne Fest ist wie eine Reise ohne Gasthaus“, zitierte Bouchra Baboua ein griechisches Sprichwort. „Feste bereichern unser Leben.“ Eine Einstellung, die die zahlreichen Gäste auf dem sonnenbeschienenen Rasen der Gutenbergstraße durchaus teilten. Und das nicht erst, als Awo-Kreisverbandsvorsitzender Hans-Peter Göbbels, der ebenfalls seine Freude über das gute Miteinander hier zum Ausdruck brachte, das Büffet offiziell eröffnete. Ein Büffet, zu dem viele der Festteilnehmer ihren Teil beigetragen hatten. Und das so manchem das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ: Süße wie auch deftige Spezialitäten aus vielen Ländern des Vorderen Orients und Nordafrikas fanden reißenden Absatz, begleitet von exotischen Getränken wie Dattelsaft.

Dass diese Festpremiere eine rundum gelungene Sache werden konnte, dazu hatten auch die Dienstags-Golferinnen von Haus Kambach beigetragen: Die Damen hatten dafür einen stattlichen Betrag gespendet, den Christine Zittel der Awo überreichte. Ihnen wie auch allen anderen Helfern galt Bouchra Babouas ausdrücklicher Dank: „Nur Hand in Hand können wir die täglichen Herausforderungen meistern und unseren Beitrag zur Integration leisten.“

Seinen persönlichen Beitrag dazu leistete gestern Rudi Bertram: Immer wieder wurde der Bürgermeister gebeten, mit Gästen aus allen möglichen Herkunftsländern, die sich in Eschweiler inzwischen offensichtlich zu Hause fühlen, für ein Foto zu posieren. Was er gerne tat. Berlin hat seine Mutti Merkel. Eschweiler seinen Papa Bertram.

„Wir möchten mit diesem Fest Ängste und Vorurteile abbauen, Verständnis füreinander schaffen und ein friedvolles Miteinander aufbauen.“
Bouchra Baboua, Migrationsberaterin