Gegen Rassismus hilft Kennenlernen

Mit Begegnungen und Gesprächen bei Gebäck, Tee und Musik am Rande der Fußgängerzone tritt die Arbeiterwohlfahrt gegen Rassismus an. Mehr als 120 Bürger ließen Luftballons mit auf Karten notierten Wünschen gegen Rassismus aufsteigen.

Miteinander reden, einander kennenlernen

Von Rudolf Müller

Eschweiler. Das beste Mittel gegen Rassismus ist das Kennenlernen. Unter diesem Motto stand die Aktion, die die Migrationsberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gemeinsam mit der Flüchtlingshilfe und dem Quartiersmanagement West an der Marienstraße veranstaltete. Im Rahmen der Internationalen Woche gegen Rassismus lud die Awo dazu ein, neue Menschen kennenzulernen und interkulturelle Kontakte zu knüpfen. „Lernen wir einander kennen und setzen gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus“, wünschte sich Migrationsberaterin Bouchra Baboua, die das Treffen organisiert hatte.

„Frieden für alle“

 Bei selbstgebackenen Keksen und marokkanischem Tee nutzten an die 150 Bürger die Gelegenheit, mit den Mitarbeitern der Institutionen, mit Ehrenamtlern, Bufdis und Betreuten ins Gespräch zu kommen. Etliche weitere nahmen gerne einige Kekse, die eine Frauengruppe der Migrationsberatung eigens dazu gebacken hatte („dabei wurde grundsätzlich ausschließlich deutsch gesprochen“, unterstreicht Baboua die Integrationsbemühungen ihrer Mitarbeiter), und trotzten mit einer Tasse heißem Tee der Kälte, ohne das Gespräch zu suchen.

„Die Aktion hat uns gezeigt, dass es bei Deutschen immer noch Hemmschwellen gibt, mit Migranten ins Gespräch zu kommen“, so Bouchra Baboua. Bürgermeister Rudi Bertram, der wie Sozialdezernent Stefan Kaever, einige Verwaltungsmitarbeiter und Stadtverordnete und natürlich Awo-Kreisvorsitzender Hans-Peter Göbbels die bunte Truppe an der Marienstraße besuchte, zählen sicher nicht dazu.

Die Aktion anlässlich der Internationalen Woche gegen Rassismus ist wie das Zuckerfest und das Weihnachtsfest fester Bestandteil im Jahresprogramm der Awo. Im vergangenen Jahr entzündeten die Teilnehmer Kerzen, diesmal gab es eine Luftballonaktion: An die 120 bunte, heliumgefüllte Ballons mit auf Karten notierten Wünschen und Anmerkungen ausländischer wie deutscher Besucher stiegen in den Eschweiler Himmel. „Wir sind für unsere Kinder geflohen, damit sie hier in Frieden leben können, Frieden für alle“, stand da zum Beispiel zu lesen, und „Wir sind alle Brüder, kein Unterschied zwischen Schwarz und Weiß“, „Ich habe noch keinen Rassismus erfahren, aber mein Sohn erlebt ihn täglich in der Schule“, „Meine Nachbarin spricht nicht mit mir“ und „Nur mein Kopftuch wird gesehen, was in meinem Gehirn vorgeht, interessiert niemanden“. Ein Marokkaner, der seit 50 Jahren in Deutschland lebt, schrieb: „Wir Marokkaner halfen beim Aufbau Deutschlands mit. Früher erlebten wir keinen Rassismus, heute dagegen schon.“ Und ein anderer notierte: „Wir wollen in Brüderlichkeit leben und unser neues Land Deutschland für eine gute Zukunft entwickeln helfen.“ Vielleicht, so hofften die Initiatoren, gelangen sie an Personen, die über das Thema „Rassismus“ nie nachdachten oder umdenken müssen.